Inklusive Erwachsenenbildung – Bildung, die verbindet

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Die Erwachsenenbildung für Menschen mit Behinderung hat bei uns eine lange Tradition. Bereits in den 1980er-Jahren gab es in Hamburg erste Bildungsangebote, organisiert von verschiedenen Trägern. Seit über 35 Jahren sorgt eine gemeinsame Koordinationsrunde – heute das Bildungsnetz Hamburg – dafür, dass diese Angebote gebündelt, weiterentwickelt und vielen zugänglich gemacht werden. Michael Ollech von der aaost ist von Anfang an dabei und koordiniert heute zusammen mit weiteren Trägern über 120 Kurse pro Jahr.

Von Englisch bis Rockmusik – ein vielfältiges Kursangebot

Das Spektrum ist groß: Medienkompetenz, Persönlichkeitsentwicklung, Kultur, Gesellschaft, Gesundheitsangebote oder politische Bildung – für viele Interessen ist etwas dabei. Ein beliebter Klassiker ist der Englischkurs, in dem Menschen mit Lernschwierigkeiten gemeinsam mit Senior*innen lernen. Ebenfalls häufig gebucht ist der Entspannungskurs, der im Rahmen des Projekts „Gesundheit 25“ angeboten wird.  Ein Evergreen ist auch das Musikangebot in Kooperation mit Barner 16, das Andrea Trumm und Greta Beyer bereits seit 30 Jahren leiten.

Auch neue Themen finden ihren Platz: Zum Beispiel Kurse zu digitaler Sicherheit, sexualisierter Selbstbestimmung oder Infoveranstaltungen zur Bundestagswahl. Immer beleibter werden auch kleine Ausflüge mit Bildungshintergrund  – etwa Stadtteilerkundungen oder Städtetrips mit Lerneffekt.

Hürden und Herausforderungen

So groß das Angebot auch ist – es gibt Herausforderungen. Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf nehmen seltener teil. Oft fehlt es an Begleitpersonen, vor allem aus Wohneinrichtungen der besonderen Wohnform. Ein Beispiel: Eine blinde Teilnehmerin (rechts) wollte beim Kurs „Laufen im Stadtpark“ mitmachen – fand aber zunächst keine Begleitung. Schließlich sprang die Vorsitzende des Laufvereins persönlich ein. Auch wenn die Anreise durch ihre Sehbehinderung erschwert war, sagte die Klientin im Anschluss begeistert: „Laufen ist wie Fliegen!“ Solche Momente zeigen, wie wertvoll und notwendig solche Angebote sind.

 

Bildung ist mehr als Wissen – sie schafft Begegnung

Die soziale Komponente spielt eine große Rolle: Senior*innen und Studierende lernen mit Menschen mit Beeinträchtigung in einem Kurs. Eltern aus dem KiJuFam-Bereich besuchen Erste-Hilfe-Kurse in leichter Sprache. Und manchmal geben unsere Klient*innen ihr Wissen sogar selbst weiter – wie eine Teilnehmerin, die in der Therapie das Flechten von Paracordbändern gelernt hat und nun einen eigenen Kurs anbietet. Viele Ideen entstehen direkt aus dem Austausch: Im Beirat des Bildungsnetzes sind auch Vertreter*innen von People First, der VHS und der Universität Hamburg dabei. Hier wird beraten, diskutiert und inspiriert.

Was wir brauchen: mehr Unterstützung für mehr Teilhabe

Michael Ollech wünscht sich, dass die Volkshochschule inklusiver wird – und mehr Verantwortung für die Zielgruppe übernimmt. Leider wird an vielen Stellen gespart. Ressourcen fehlen, vor allem für Begleitung und Unterstützung bei der Teilnahme. Dennoch: Die inklusive Erwachsenenbildung zeigt jeden Tag, was möglich ist – wenn Menschen mitmachen, zuhören und Räume schaffen. Es braucht nicht immer große Lösungen – manchmal reicht auch eine Begleitung beim Laufen im Park.


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