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Auf dem Kongress für Unterstützte Kommunikation in Leipzig stellten Berrit Schwarz (Fachdienst Unterstützte Kommunikation) und Kristin Burzynski (Fachdienst Sexuelle Selbstbestimmung) ein Thema vor, das in der Praxis längst relevant ist, jedoch bislang kaum fachlich aufgearbeitet wurde: die barrierefreie Ansteuerung und Nutzung von Sextoys für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind oder ihre sexuellen Bedürfnisse nur begrenzt ausdrücken können.
Hintergrund: Zugang zu Sexualität ist ein Recht
Mit Fördermitteln der Aktion Mensch konnten verschiedene technische Hilfsmittel und Sextoys beschafft und deren alternative Ansteuerungsmöglichkeiten erprobt werden. Die zentrale Frage des Projekts:
Wie kann sexuelle Selbstbestimmung ermöglicht werden, ohne professionelle Grenzen zu überschreiten?
Menschen mit Behinderungen haben ein verbrieftes Recht auf Sexualität – einschließlich der Nutzung technischer Hilfen. Für Assistenzkräfte bedeutet das: Sie dürfen vorbereiten, anleiten sowie räumliche und technische Voraussetzungen schaffen und damit ein sexualfreundliches Umfeld ermöglichen.
Nicht erlaubt sind hingegen Handlungen, die die Assistenzperson selbst in eine sexuelle Interaktion einbeziehen würden.
Forschung und Praxis: technische Lösungen und klare Kommunikation
Im Vortrag wurden Sextoys vorgestellt, die sich besonders für Menschen mit motorischen Einschränkungen eignen, sowie alternative Steuerungsmöglichkeiten, die zuvor im Projekt erprobt wurden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Kommunikation: Damit Nutzer*innen klar sagen können, was sie möchten, welche Einstellungen sie bevorzugen oder wann sie Veränderung bzw. Rückzug der Assistenz wünschen, entwickelten Schwarz und Burzynski spezifische Kommunikationshilfen.
Diese unterstützen eine selbstbestimmte Nutzung, verhindern Missverständnisse und sichern den Nutzerinnen jederzeit die Kontrolle.
Großes Interesse auf dem Kongress
Die Resonanz war stark: Die Teilnehmenden nutzten die Möglichkeit, Geräte und Ansteuerungen direkt zu sehen und auszuprobieren. Die vorgestellten Kommunikationshilfen waren schnell vergriffen.
Ein Thema, das in der Eingliederungshilfe mehr Raum braucht
Die Referentinnen betonten, dass Sexualität in vielen Einrichtungen nach wie vor ein Tabuthema ist.
Dabei gehört sie für viele Menschen zu einem selbstbestimmten Leben dazu. Assistenzkräfte benötigen daher fachliche Orientierung, Sicherheit und eine professionelle Haltung, um Unterstützungsbedarfe weder aus Unsicherheit zu ignorieren noch Grenzen zu überschreiten.
Das Projekt zeigt: Barrierefreie Sexualität ist machbar – und ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen.