Selbstbestimmte Urlaubsplanung

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Sommerzeit ist Urlaubszeit! Wie gerne beschäftigen wir uns schon Wochen zuvor mit der Reiseplanung, dem Studieren von Internetseiten, Reiseführern und Buchungsportalen. Selbst zu entscheiden, wohin und mit welchem Verkehrsmittel man verreist, ist ein Privileg, dass nicht jedem Menschen vorbehalten ist.

Für viele Menschen mit Behinderung ist Urlaubsplanung ein Thema, mit dem sie sich noch nie beschäftigt haben - entweder, weil sie selbst nicht dazu in der Lage sind, weil es an behindertengerechten Angeboten fehlt oder weil ihnen die Entscheidung von anderen Menschen abgenommen wird. In den Wohnhäusern der aaost werden verschiedene Arten von Reiseangeboten gemacht, darunter vor allem Gruppenreisen. Diese sind kostengünstig und verhältnismäßig einfach zu organisieren. Doch kann man so überhaupt den individuellen Wünschen der Klient*innen gerecht werden?

Dieser Frage hat sich eine Mitarbeiterin aus dem Wohnhaus Marckmannstraße angenommen und daraus ein Konzept entwickelt, durch das die Bewohner*innen möglichst autarke Reisepläne erstellen können. "Ich finde es wichtig, dass unsere Klientinnen und Klienten ein Mitspracherecht haben, wenn es darum geht, ob sie ans Meer oder in die Berge fahren, welche Art von Unterkunft sie bevorzugen und welche Verkehrsmittel sie nutzen möchten", erzählt Dualstudentin Johanna Hinrichs, für die das Projekt den Abschluss ihrer Praxiszeit im Wohnhaus kennzeichnet.

"Entscheidungsfreiheit ist toll, doch viele Klient*innen sind mit der Aufgabe schlicht überfordert. Daher mussten wir einen Weg finden, die Auswahl zu vereinfachen. Dazu haben wir im ersten Schritt eine offene Befragung mit den Bewohner*innen durchgeführt, bei der es darum ging, schwerpunktmäßige Interessen herauszufiltern und zu bündeln. Natürlich versuchen wir hierbei Schnittmengen zu finden, da klar war, dass unsere Klient*innen weiterhin gerne in einer (Klein-)gruppe verreisen wollten. So sind schließlich zwei Teams entstanden: Team Meer und Team Berge."

Im nächsten Schritt haben sich die Mitarbeiter*innen Kleingruppen zusammengesetzt und besprochen, wie genau die Reise aussehen soll. Wollen sie mit dem Auto, mit dem Reisebus oder der Bahn fahren? Lieber in einem Hotel, einer Ferienwohnung oder Jugendherberge übernachten? Selber kochen oder essen gehen? Zur Unterstützung bei der Auswahl hatten Johanna Hinrichs und ihre Kollegin Kaja Golditz Symbolkarten erstellt, auf denen die verschiedenen Optionen grafisch dargestellt waren. Jede*r in der Gruppe konnte dann mit einer eigenen "Daumen hoch" bzw. "Daumen runter"-Karte für oder gegen eine Option stimmen.

"Es ist toll zu sehen, wie kompromissbereit die Klient*innen sind, wenn es darum geht, eine gemeinsame Abstimmung in der Kleingruppe zutreffen", freut sich Kaja Golditz. "Durch den Prozess lernen sie nicht nur selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen, sondern auch, sich mit anderen Interessen zu arrangieren."

Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse aus den Gruppen ausgewertet werden und passende Reiseangebote von den Mitarbeiter*innen ermittelt werden. Wir hoffen schon bald einen ausführlichen Reisebericht teilen zu können!

 

 


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